Warum wir auswandern #1
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Warum wir auswandern #2

Barbados im Jahr 2014 war nicht anders.

Nur amerikanischer. Aber liebevoll. Mit glücklichen Menschen. Abends war Stimmung, Party. Etwas spannender, weil die Insel 3x so groß ist. Aber auch hier, Herzlichkeit unterwegs. Und am Strand wurde man einfach angesprochen und mit einbezogen. Kann ich wärmstens empfehlen. Man ernährt sich dauerhaft von Früchten. In unserem Garten hatten wir Mangobäume und Kokosnüsse. Aber die Affen waren zu schnell. Um es abzuschließen, man kann von dieser Gelassenheit der Menschen nicht satt werden. Und den Früchten 😉

Der andere einschneidende Grund der Auswanderung ist die Schulpflicht. Ich werde euch das näher bringen. Cosmo ist seit seiner Geburt zu hause. Das heißt, er geht in keine betreuende Einrichtung. Ich ging nach der Geburt von Cosmo schnell wieder arbeiten. Genau nach 6 Monaten. Wir haben bis zu diesem Zeitpunkt beide beim Film gearbeitet. Es ist ein Auf und Ab mit den Jobs. Wenn du einen Anruf bekommst, ob du Zeit zum Arbeiten hast, lehnst du das nicht ab. Das sind deine Brötchen. Das ist das Business. Und so kam es, dass ich wieder arbeiten ging.

Die Arbeitszeiten sind nicht kinderfreundlich. Pünktlich raus zu kommen ist Gold wert. Ich stand noch vor Cosmo auf und kam abends nach hause, wenn er schlief. Eine Woche lang. Eine harte Woche. Handyfotos, über Nachrichten, ließen mich auf aktuellem Stand von Cosmo sein. Ich war traurig. Und da kamen erste Zweifel. Will ich das so? Geht es auch anders? Warum muss ich Angst um meine Arbeit haben? Was für Werte sind mir wichtig? Noch zwei mal ging ich danach arbeiten, um dem dann ein Ende zu setzen. Denn ich habe ihn jedes Mal nicht gesehen. Und das war’s! Wir überlegten nicht annähernd über die finanzielle Lage, vorerst. Sondern sahen Cosmo und die Zeit.

Die Zeit, die nicht zurück kommt. Keine Zeit lässt sich zurück drehen. Aber in der, wo dein Kind, gefühlt, 5cm größer am nächsten Morgen ist, hat unausweichlich besonderen Stellenwert. Jede Mutter kennt das. Für uns war das die richtige Entscheidung. Wir schraubten unsere Bedürfnisse runter und nahmen Cosmo als Mittelpunkt. Wir profitieren alle gemeinsam sehr von unserer eigenen Betreuung. Wir gehen abends ins Bett, wenn wir müde sind, denn morgens müssen wir nicht so früh raus. Den Tag gestalten wir so, worauf wir Lust haben. Wir treffen uns mit Freunden, gehen irgendwo was essen, spielen auf verschiedenen Spielplätzen oder bleiben einfach zu hause, wenn wir Lust dazu haben. Auch die eigene Intimität unserer Kinder war ausschlaggebend. Der Gedanke, Toilettengänge und das Waschen würden fremde für uns übernehmen, war irgendwie nicht so attraktiv.

Das war uns zu intim. Da er als kleiner Junge auch ziemlich schüchtern war, war es perfekt, ihn langsam in seinem Tempo mit anderen in Kontakt treten zu lassen. Oft wurden wir angesprochen, das wir den falschen Weg damit gehen und genau das Gegenteilige erreichen würden. Er würde sich noch mehr zurückziehen. Auch sprachlich wäre das so wichtig. Kinder bräuchten andere Kinder. Manchmal war es verunsichernd. Wir haben uns dennoch nicht davon abbringen lassen. Mit seinem 3. Geburtstag verschwand die Schüchternheit. Seitdem gibt es keinen Halt und Freundschaften möchten noch in der Warteschlange vor der Kasse geknüpft werden. Und tatsächlich, keine sprachlichen Defizite zu spüren… hahaha.

Nein, im Ernst. Wir reden ja mit unserem Bäcker, den Verkäufern, den Freunden, der Familie und den Kindern. Da bleibt das Sprechen nicht aus. Kinder treffen wir auch, aber eben nicht in Massen. Das gefällt ihm ganz gut, dass er nicht jeden Tag die Gleichen sieht. Beim laufen Lernen deines Kindes kommt auch niemand zu dir und sagt, das es das von jemand anderem lernen muss, weil es sonst nie laufen wird. Nein. Das passiert von ganz allein. Der Ehrgeiz des Kindes ist groß genug, um auch überall hinkommen zukönnen. Und genau so verhält sich das auch mit allen anderen Fähigkeiten. Es macht mich nachdenklich, dass Wir glauben, Wir müssen unsere Kinder woanders hingeben, damit “aus Ihnen was wird“.

Damit wird mein Selbstwertgefühl um das Mindeste reduziert. Bin ich denn etwa zu dumm dafür? Oder, David und ich? Ich denke, das beantwortet sich von selbst. Unterstützt wird man als Eltern auch nicht. Du musst Angst haben Kinder zu bekommen, weil deine Karriere sonst auf dem Spiel steht. Unsere Zuschüsse von Ämtern lassen uns in dem Glauben, Sie würden uns unterstützen. Das es eine gewollte Abhängigkeit ist, damit du eben nicht zu hause bist, die Wirtschaft angekurbelt wird und deine Kinder einfacher auf fremde hören, steht natürlich nicht im Beipackzettel. Wer nicht mitmacht, hat Pech. Und ob man das Ganze denn dann überhaupt so will und Pech nennt, steht nochmal auf einem extra Blatt. Das sorgt für Aufruhr. Druck. Gesellschaftlichen Druck. Denn wir machen es anders. Von Entsetzen, Ängsten, bis hin zu Staunen ist alles dabei. Hier geht es nicht um Isolation, sondern einfach um die individuellen Bedürfnisse unserer Kinder. Und wenn es anders geht, dann gebe ich mein Bestes, um es umzusetzen.

So haben wir uns auch mit der Schule beschäftigt. Unser Schulsystem sortiert aus und trennt die Guten von den Schlechten. Ein Konkurrenzsystem. Haupt- und Realschulen, sowie das Gymnasium. Wir werden mit Noten bewertet, die belegen sollen, ob aus uns mal etwas wird. Das es intelligente Kinder, und eben nicht so intelligente Kinder gibt. Die einen mehr, und die anderen weniger talentiert sind. Das steht dann auf dem Zeugnis. Das Messen in Gut und Schlecht, produziert automatisch Verlierer. Produziert Mobbing. Ein ständiger Wettkampf. Besser sein. Sich mit dem Nächsten vergleichen. Neid. Ich unterstütze das so nicht und halte das für falsch. Jedes Kind hat Potential. Jeder hat sein eigenes Tempo. Ich kann nicht von 30 Kindern zur gleichen Zeit den gleichen Fortschritt erwarten. Das baut physischen und psychischen Druck auf. Zudem dann noch jeder den gleichen Lösungsweg verstehen soll. Das kann physiologisch nicht funktionieren. Worauf dann schlechte Benotung folgt. Den aufgedrückten Stempel trägst du dann nämlich dein Leben lang mit dir herum.

In vielen Ländern ist es selbstverständlich, deine Persönlichkeit frei zu entfalten. Hingegen in Deutschland der Schulbesuchszwang herrscht. Hier erscheint für den Großteil der Menschen die Schule als eine der einzig vorstellbaren Möglichkeit, sich Wissen, Sozialverhalten für den späteren Werdegang oder Bildung anzueignen. Sonst ist ein Dasein schier unmöglich. Das mag daran liegen, das wir den Weg schon über Generationen genau so gehen. Wieviele Menschen gehen aufgrund ihrer Benotung all die Jahre einem Job nach, den Sie gar nicht mögen? Der Großteil sagt sich auch, “das er es zu nichts bringt“. Das basiert auf 10-13 Jahre Schulbesuch. Und hier kommen wir darauf zurück, dass wir Kinder ermutigen müssen, ihr Potential zu entfalten, anstatt zu sagen, dass Sie hier noch üben müssen oder das Sie das Andere einfach nicht können. Was hätten wir ausgeglichenere Kinder oder auch Erwachsene, würden wir das Bewusstsein umsetzen, dass jeder etwas erreichen kann. Nur eben in seinem Fluss, mit seiner Lösung und seiner Lust, daran zu arbeiten. Diese Leistungsbewertung macht so vieles kaputt. Die Sätze höre ich heut noch: “Wie willst du später einen Job finden, wenn du schlechte Noten bekommst?“, “ohne Hausaufgaben wirst du irgendwann sitzen bleiben.“

Ich kann mich an kein Jahr erinnern, wo ich keinen Druck verspürt habe. Um es abzuschliessen… das wollen wir für unsere Kinder nicht. Man kann auch ohne Schulbesuch später studieren oder einen Beruf erlernen. Wenn unsere Kinder wollen, können Sie sich auch zwischendurch prüfen lassen. Einen Abschluss, unabhängig vom Schulbesuch, an einer regulären Schule machen. Das nenne ich frei. Wir haben so viele Vorbilder, die es uns vormachen oder vorgemacht haben. Wenn du einen Ast siehst und es schaffst, halte dich daran fest. Zieh dich raus. Denn jetzt kannst du dich wieder entgegengesetzt dem Strom bewegen. Ich würde mich über Feedback freuen. Auch über die Homeschooler, Unschooler und Freilerner. Ih danke euch fürs Lesen.

Pura Vida, Vivian&David

8 Kommentare

  1. Helene sagt:

    Absolut richtig… So denken wir auch! In Deutschland wird alles von System nivelliert. Wer nicht mit dem Strom schwimmt wird unter Druck gesetzt; in unterschiedlicher Art und Weise. Wünsche euch von ganzen Herzen alles Gute. Wir sind auch auf dem Weg, das System zu verlassen, damit unsere Kinder und wir glücklich bleiben.

  2. Ive sagt:

    Toll!
    Deine Gedanken sprechen mir so aus der Seele. Haben auch beide kids zu Hause. Es tut ihnen so gut. Sie sind geerdet, ausgeglichen und entspannt.
    Wir erleben soviel Schönes zusammen, fernab vom gesellschaftlichen Zwang und Trubel…

  3. Stephanie sagt:

    Hi!
    Wirklich beeindruckende Statments von dir. Wovon ich praktisch alles, was du geschrieben hast unterstützen kann. Ich bin Grundschullehrerin in der Schweiz, wo auch oder noch ein grösserer Druck herrscht. Macht weiter so! Es müsste mehr Menschen geben, die nicht einfach wie betäubt mit dem Strom schwimmen.

  4. Rico sagt:

    Hallo ihr 6.
    Schade, dass euer Blog nicht mehr gefüttert wird. Wie ich sehe, habt ihr euch leider vollends auf Facebook verlagert und lasst die Seite hier hungern. Echt schade drum, dass man gezwungen sein soll sich der Facebook-Macht zu unterwerfen. Ein freier Blog ist doch irgendwie schöner.

    Trotz allem verfolge ich eure Berichte auch auf Youtube weiter und bin gespannt, was mich noch erwartet. Leider stehen mir noch zu viele unbeantwortete Fragen im Raum. Ich hoffe, dass ich in den Videos ein wenig mehr dazu erfahre, ohne, dass man sich Facebook verkaufen muss.

    • GlobalMedia2017 sagt:

      Hallo Rico, danke für deine Worte. Der Blog wurde gerade neu gestaltet da in Planung ist, ihn wieder weiter zu füttern. Da für kurze Updates Facebook einfach besser ist, haben wir uns dafür entschieden auf der Seite ein Facebook Feed einzusetzen. So das auch die nicht Facebook Nutzer diese Infos lesen können. Gerade ist bei uns eh Funkstille da unser 3ter Sohn geboren ist, ich gerade meine 2te Firma hier in Costa Rica gründe und natürlich auch noch die anderen beiden Kids und die Hunde beschäftigt werden wollen :).

      Ich denke wenn der Neu geborene ein wenig älter ist haben wir auch wieder Zeit uns etwas mehr um den Blog zu kümmern.

      Pura Vida aus Costa Rica wünscht David

  5. Rico sagt:

    Vielen Dank für deine Antwort!
    Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt natürlich! 🙂

    Das mit der leichteren Aktualisierung leuchtet ein. Schade trotzdem. Die Seite mit ihrem Aufbau, deine Logos und Grafiken…. echt toll. Bei den Feeds ist es auch schwierig ein Thema zu finden. Im Blog kann man scrollen, liest die Überschrift und weiß genau, worum es genau in diesem Artikel geht.
    So suche ich z.B. noch nach Antworten zum Thema „System verlassen“. Auf der einen Seite hattet ihr euch ja sehr über das Verlassen des Systems gefreut, – der Roadtrip war dann die Freiheit – um dann aber in Costa Rica ja doch wieder in ein System zu gehen. Firma, Arbeit, etc. Irgendwie muss ja das Leben (auch dort) finanziert werden.
    Ich bleibe einfach am Ball und hoffe auf mehr Infos.
    Drücke euch die Daumen (ihr 7!) und schöne Grüße nach Costa Rica.

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